Design bekommt ein Textfeld
Google hat Stitch diese Woche zum vollständigen Design-Tool umgebaut. Infinite Canvas, Design Agent, Multi-Screen-Generation, Code-Export in sechs Frameworks. Figma-Aktie minus vier Prozent am selben Tag.
Das Bemerkenswerte ist nicht das Tool. Es ist die Schnittstelle: Text rein, UI raus. Kein Drag-and-Drop, kein Inspektor-Panel als primäre Interaktion. Ein Textfeld.
Stitch ist nicht allein. Impeccable, ein Vocabulary-Layer von Paul Bakaus, argumentiert von der anderen Seite: Entwickler scheitern nicht an den Fähigkeiten der Modelle, sondern an der Sprache, mit der sie designen. "Make it look good" liefert 16px Inter auf weißem Grund. "OKLCH tinted neutrals with fluid type scale" liefert ein System. Dasselbe Modell, derselbe Prompt-Slot, radikal anderes Ergebnis.
Beide Ansätze landen am selben Punkt: Design konvergiert auf Text. Die Frage ist, wie viel Struktur dieser Text braucht.
Google löst das mit einer DESIGN.md – einer Markdown-Datei, die der Agent mitführt, um sich an vorherige Entscheidungen zu erinnern. Prosa, die Konsistenz herstellen soll.
Das funktioniert, solange der Agent interpretiert wie der Mensch, der die Datei geschrieben hat. Sobald er das nicht tut – und jeder, der einen Agent auf ein bestehendes Design System losgelassen hat, kennt den Moment – fehlt die Schicht zwischen Absicht und Regel. Der Agent weiß, dass Blau die Primärfarbe ist. Er weiß nicht, dass Rot nur für Fehler erlaubt ist. Also baut er einen roten Button, weil Rot auch definiert ist und "gut aussieht."
Prosa beschreibt Intent. Aber Agents brauchen Constraints.
Die Tools werden besser. Die Frage, wie man einem Agent nicht nur sagt was er bauen soll, sondern was er lassen soll, fängt gerade erst an.
Fragt euch selbst (oder fragt eure AI): Lasst eine AI eine Seite eures Produkts nachbauen – nur mit eurem Design System als Kontext. Wo weicht das Ergebnis ab? Das sind die Stellen, an denen eure Spec Daten hat, aber keine Regeln.