Der unsichtbare Handwerker
Gergely Orosz hat diese Woche einen der besten Engineers interviewt, mit denen er bei Uber gearbeitet hat. Top 3% in der Performance-Kalibrierung. Mehrfach befördert. Wenn er den Job wechselte, musste er sich nie bewerben. Ehemalige Kollegen rissen sich um ihn. Ein Startup wollte eine Stelle erfinden, nur um ihn einstellen zu können.
Sein GitHub-Profil: leer. Null öffentliche Commits in den letzten fünf Jahren. Kein LinkedIn-Profil jenseits einer Firmenliste. Kein Social Media. Keine Konferenz-Talks. Keine Blogposts. Von außen betrachtet: unsichtbar.
Seine tatsächlichen Stärken: Er bricht Aufgaben früh in handhabbare Teile. Er kommuniziert Verzögerungen als Trade-offs, nicht als Probleme. Er geht direkt auf Engineers anderer Teams zu, fragt nach deren Systemen, macht sich die Hände schmutzig in fremden Codebases. Und er sagt Nein, wenn die Prioritäten nicht stimmen.
Nichts davon erzeugt Artefakte. Kein Commit, kein Post, kein Dokument. Es ist Arbeit, die nur sichtbar wird, wenn man daneben steht.
Das fällt mir auf, weil wir gerade in eine Richtung laufen, in der die sichtbaren Artefakte explodieren. AI senkt die Kosten für alles, was man vorzeigen kann: Code, Entwürfe, Präsentationen, Analysen. Die Produktion wird billiger. Aber die Arbeit, die diesen Engineer zum besten im Raum macht, hat keine Produktionskosten. Sie lässt sich nicht beschleunigen, weil sie nicht aus Output besteht. Sie besteht aus Urteil, Kontext und Beziehungen.
Wenn AI die Produktion von Artefakten verbilligt, wird die Menge an sichtbarer Arbeit steigen. Gleichzeitig bleibt die unsichtbare Arbeit, die Arbeit, die den Unterschied macht, gleich aufwendig. Das Verhältnis verschiebt sich. Der Signal-Rausch-Abstand wird schlechter.
Ich weiß nicht, wie Unternehmen damit umgehen werden. Aber die Frage stellt sich: Wenn alles, was man vorzeigen kann, billiger wird, wie erkennt man dann die Leute, deren Wert in dem liegt, was man nicht sehen kann?
Fragt euch selbst (oder fragt eure AI): Wer in eurem Team erzeugt die wenigsten sichtbaren Artefakte, hat aber den größten Einfluss auf die Qualität der Ergebnisse? Und wie würdet ihr das in einer Performance-Review belegen?